Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-moon, hat Wilfried Lemke kürzlich als seinen neuen Sonderbeauftragten für den Bereich Sport ernannt.
Zu den Aufgaben Lemkes gehört, den Sport zu fördern und diesen immer mehr als Mittel zur Förderung von Entwicklung und Frieden zu etablieren. Lemke bringt über 25 Jahre Erfahrung im
Sport und in der Politik in sein neues Amt mit. Von 1999 bis 2007 war er Senator für Bildung und Wissenschaft und von 2007 bis 2008 Senator für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen.
Lemke war außerdem für 18 Jahre Manager des SV Werder Bremen. Für nächste Woche hat Lemke seinen Besuch in Südafrika angekündigt. News2010 hat mit ihm gesprochen…
Der Ausbruch der fremdenfeindlichen Übergriffe in der jüngsten Vergangenheit hat einen schwarzen Schleier über Südafrikas Vorbereitungen für die WM 2010 gelegt. Die FIFA hat ihre Besorgnis über
die Situation zum Ausdruck gebracht, aber ist dennoch zuversichtlich, dass sich die Lage im Vorfeld der WM stabilisieren wird. Von einem internationalen Blickwinkel aus betrachtet - wie ernst ist das Problem?
Würden Sie sagen, dass die FIFA evtl. das erste Mal ernsthaft dazu gezwungen sein könnte, die Entscheidung, die WM 2010 in Südafrika auszurichten, zu überdenken?
Nach dem Ausbruch der fremdenfeindlichen Gewalt im letzten Monat hat die südafrikanische Regierung berichtet, dass 56 Menschen getötet, 650 verletzt und mindestens 70.000 Menschen vertrieben wurden.
Natürlich ist dies ein ernstes Problem. Ich bin zutiefst besorgt und betroffen von dem, was passiert ist. Nichtsdestotrotz wäre es ein großer Fehler, Südafrika gerade jetzt in Bezug auf die Ausrichtung der
WM 2010 unter Druck zu setzen. Ich bin zuversichtlich, dass sich die Situation verbessern und die Ausrichtung dieses Mega-Sport-Events dem Land Südafrika langfristig helfen wird.
Natürlich hat jeder Ausrichter eines solchen Mega-Sport-Events - wie auch Deutschland (WM 2006) und China (Olympische Spiele 2008) - Probleme, mit denen es gilt, fertig zu werden. Sind die Probleme in Südafrika besonderer Natur?
Jedes Land hat seine eigenen Probleme, welche mit der Geschichte, der Kultur, dem sozialen und politischen Hintergrund eng zusammenhängen. Viele Probleme in Südafrika sind in dem Sinne nicht einzigartig,
da sie in der Armut begründet liegen, die wir unermüdlich bekämpfen müssen. Wir kennen die Probleme. Aus diesem Grund müssen wir traditionelle und innovative Maßnahmen vereinen, um sie zu lösen.
Meiner Meinung nach gehört der Sport zu der zweiten Kategorie. Aus diesem Grund glaube ich auch, dass die WM 2010, welche die Erste auf dem afrikanischen Kontinent sein wird, eine große Chance für
soziale Veränderungen nicht nur für das Land, sonder für den gesamten Kontinent darstellt.
Sind Sie der Meinung, ein Event dieser Größenordnung hat die Kraft, einige der Risse in der Gesellschaft zu kitten?
Ja, das glaube ich schon. Ich wäre nicht Sonderbeauftragter der UN für den Bereich Sport, wenn das anders wäre. Der Sport baut Brücken zwischen den Menschen; er bringt sie zusammen.
Der Sport ist ein Mittel, um Toleranz, Frieden und die Kommunikation zwischen den Menschen zu fördern. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel nennen: Als das irakische Nationalteam,
welches sich aus Sunni und Shia Moslems und Kurden zusammensetzt, den Asien Cup gewonnen hat, stand das Land für eine Zeit vereint hinter dem Team. Natürlich bin ich mir absolut im
Klaren darüber, dass der Sport nicht alle Probleme lösen kann. Aber er ist sicherlich ein mächtiges Instrument, um Gesundheit, Bildung, Entwicklung und Frieden zu fördern.
Wie sehen Sie Südafrikas Vorbereitungen für die WM 2010 im Ganzen?
Ich werde nächste Woche nach Südafrika reisen und eine Rede auf dem "International Youth Crime Prevention and Cities Summit" in Durban halten, der von der UN-Habitat, der UN-Agentur für menschliches
Siedlungswesen, organisiert wird. Ich werde die Gelegenheit nutzen, um Sportentwicklungsprojekte zu besuchen und mich mit den Organisatoren der WM zu treffen. Was ich Ihnen bereits jetzt sagen kann, ist,
dass viel von der FIFA in Zusammenarbeit mit Partner getan wird, um die Entwicklung durch soziale Initiativen wie "Win in Africa with Africa" oder "Football for Hope - 20 Centres for 2010" zu fördern.
Ich habe mich im letzten Monat mit dem Fifa Präsident Sepp Blatter getroffen und wir haben eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen der FIFA und der UN vereinbart, um sicherzustellen, dass die WM
in einer positiven Atmosphäre stattfindet und ein nachhaltiges Erbe in Südafrika und auf dem gesamten Kontinent hinterlässt.